02. September 2016 | Der LVR


Schubladen und Schönheitsideale
 

LVR präsentiert interaktive Ausstellung der Mönchengladbacher Künstlerin Meike Hahnraths im Landeshaus in Köln-Deutz / 50 Porträts regen zur aktiven Auseinandersetzung mit dem Gegenüber an
 
Köln, 2. September 2016. Arbeitet er als Kurierfahrer? Ist sie Gast in einem Frauenhaus? Besitzt er vielleicht einen Liegestuhlverleih an der Nordsee? Ist sie Postbeamtin? Oder arbeitet er möglicherweise in einer Behindertenwerkstatt? – Was denken wir, wenn wir Menschen begegnen und sie betrachten? Mit wem haben wir es zu tun? Und inwieweit sind wir uns überhaupt bewusst, wie unser eigener Prozess der Auseinandersetzung mit dem Gegenüber aussieht?

Die Mönchengladbacher Künstlerin Meike Hahnraths hat dazu eine ausgefallene und ungewöhnliche Ausstellung mit dem Titel „Schubladen“ konzipiert, die der Landschaftsverband Rheinland (LVR) nun präsentiert. 50 Porträts von Menschen sind zu sehen, von denen die Hälfte umgangssprachlich als „normal“ gilt. Die andere Hälfte sind Frauen aus einem Frauenhaus und Menschen mit einer körperlichen und/oder geistigen Einschränkung. „Meine Porträts zeigen Facetten, von denen so viele glauben, sie seien beispielsweise bei Frauen aus einem Frauenhaus oder Menschen mit Behinderung nicht oder nicht mehr vorhanden: Unversehrtheit und Stärke. Aber ob körperlich oder geistig behindert, gedemütigt, geschlagen oder alt: Menschen sind immer mehr, als nur das eine“, erklärt Hahnraths zur Eröffnung der Ausstellung. „Ich habe versucht, die jeweils einzigartige Schönheit, die ich natürlich ganz subjektiv wahrnehme, festzuhalten. Dabei benutze ich Kamera und Rechner wie ein Maler Pinsel und Spachtel.“

Das Besondere der Ausstellung: Sie bezieht die Besucherinnen und Besucher interaktiv mit ein. Zu jedem der Porträts bietet die Künstlerin vier kurze Beschreibungen an, von denen aber nur eine zutrifft. Die Rätsel werden jedoch nicht eins zu eins aufgelöst: „Wir wollen und müssen die portraitierten Menschen schützen. Aber es gibt die Möglichkeit, ein Gesamtergebnis abzufragen. So kann jeder sehen, wie hoch die eigene Trefferquote ist. Für alle kann der Besuch damit ein wirklich spannender Prozess werden, wenn Familien, der Freundeskreis oder Arbeitskolleginnen und -kollegen miteinander über ‚ihre Schubladen‘ diskutieren.“

Zustande gekommen ist die Ausstellung auf Einladung von LVR-Direktorin Ulrike Lubek, die die Künstlerin durch ein vorangegangenes Kunstprojekt kennengelernt hat. Auch bei diesem Projekt ging es um Menschen, die nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen. „Wir sind sehr stolz, dass wir nun Fotografien von Meike Hahnraths in unseren Räumen ausstellen können“, betont Lubek. „Wir haben es hier mit Werken zu tun, die besonders gut zu den Aufgaben und Zielen des LVR passen. Als größter Leistungserbringer für Menschen mit Behinderung erfahren wir sehr oft, dass diese Menschen auch ‚in Schubladen gesteckt‘ werden, in die sie einfach nicht hineingehören. So kann die Ausstellung eine wunderbare Anregung sein, uns selbst, ‚unsere Schubladen‘ und unseren Umgang mit Menschen zu reflektieren.“

Die Ausstellung „Schubladen“ ist vom 2. September bis 30. November 2016 im LVR-Landeshaus in Köln-Deutz, Kennedy-Ufer 2, täglich von 9.00 bis 19.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Persönliche Führungen sind mit der Künstlerin Meike Hahnraths nach vorheriger Absprache gegebenenfalls auch nach 19.00 Uhr und an den Wochenenden möglich (Mail info@hahnraths-fotografie.de). Die Ausstellung ist barrierefrei zugänglich.

Meike Hahnraths ist gebürtige Rheinländerin und fotografiert seit über 30 Jahren. Im Laufe der Zeit richtete sich ihr Fokus auf die Porträtfotografie. Sie ist Mutter von Zwillingen. Hahnraths arbeitet seit 26 Jahren selbstständig. Sie gründete 2009 zusätzlich den Hahnraths Verlag, der auf Menschen mit Behinderung ausgerichtet ist.


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